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Katastralgemeinde

Seggauberg in Leibnitz

Auf dem Seggauberg über Leibnitz liegt mehr Geschichte als irgendwo sonst in der Stadt: Schloss Seggau, jahrhundertelang Sitz der Seckauer Bischöfe, und der Frauenberg, seit rund 6.500 Jahren besiedelt. Mit 5,79 Quadratkilometern ist Seggauberg die größte der neun Katastralgemeinden und hat mit 27 Einträgen die meisten Denkmäler. In der Ortschaft lebten Anfang 2026 547 Menschen.

SeggaubergAngabe
KatastralgemeindeSeggauberg, Nummer 66172
Fläche5,79 km², die größte der Stadt
Einwohner der Ortschaft547 am 1. 1. 2026
Nutzung41 % Wald, 32 % Äcker und Wiesen, 26 ha Weingärten, 20 ha Seen und Teiche
Gemeindeseit 2015 Leibnitz, davor eigene Gemeinde Seggauberg mit Oberlupitscheni, Rettenbach und Schönegg
Nachbarn in Leibnitzalle übrigen Katastralgemeinden außer Kaindorf und Oberlupitscheni
Denkmäler27 Einträge in der Denkmalliste des Bundesdenkmalamts
Postleitzahl8430
Die Katastralgemeinde Seggauberg (grün), die größte der neun Leibnitzer Katastralgemeinden, mit Schloss, Frauenberg und Sulmsee. Kartendaten © OpenStreetMap-Mitwirkende.

Von der eigenen Gemeinde zur Katastralgemeinde

Bis Ende 2014 war Seggauberg eine eigene Gemeinde. Sie umfasste neben der Katastralgemeinde Seggauberg auch Oberlupitscheni, Rettenbach und Schönegg, zusammen 11,0 Quadratkilometer mit zuletzt 951 Einwohnern. Seit 1. Jänner 2015 gehört sie zur Stadt Leibnitz. Im Kataster grenzt Seggauberg heute an sechs der acht anderen Leibnitzer Katastralgemeinden, an Kaindorf und Oberlupitscheni nicht.

Schloss Seggau

Im 12. Jahrhundert errichteten die Salzburger Erzbischöfe auf dem Berg das Oberschloss. Mit der Gründung der Diözese Seckau 1218 wurde der Berg Sitz der steirischen Bischöfe. Lange standen hier drei Burgen nebeneinander: die Burg Leibnitz der Salzburger, die Burg der Seckauer Bischöfe und das tiefer gelegene Schloss Polheim. 1479 wurden sie im Ungarnkrieg verwüstet, 1595 gingen alle drei an das Bistum Seckau, das sie zu einer Anlage verband. Ihr heutiges Aussehen bekam sie in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts unter Bischof Johann Ernst Graf von Thun.

1786 endete Seggau als Bischofssitz, bis ins 20. Jahrhundert blieb es die Sommerresidenz der Bischöfe. Mitte der 1950er-Jahre wurden die Stallungen zu einem kirchlichen Bildungshaus, ab den 1990er-Jahren entstand das heutige Seminar- und Kongresszentrum mit Hotel. Das Schloss gehört nach wie vor der Diözese.

  • Seggauer Liesl: Die 1688 gegossene Glocke gilt als größte historische Glocke der Steiermark. Sie wird jeden Sonn- und Feiertag um 12 Uhr von Hand geläutet.
  • Römersteinwand: Beim Abtragen des alten Turms 1815/16 und 1828/30 kamen hunderte römische Steine aus Flavia Solva zum Vorschein. Eingemauert im oberen Schlosshof bilden sie eine der bedeutendsten Römersteinsammlungen Österreichs.
  • Bischöflicher Weinkeller: 1693 bis 1697 gebaut, 75 Meter lang, 8 Meter breit und 8,5 Meter hoch, mit 36 historischen Eichenfässern. Wein wird darin seit 1992 nicht mehr gemacht, die Trauben von rund acht Hektar Rebfläche verarbeitet heute die Weinbauschule Silberberg in Kogelberg.

Der Frauenberg

Südlich des Schlosses liegt der Frauenberg. Grabungen belegen dort rund 6.500 Jahre Besiedlung seit der Jungsteinzeit. In der Urnenfelderzeit entstand ein Erdwall von 1,7 Kilometern Länge, später ein bedeutendes keltisches Heiligtum. In römischer Zeit wurde daraus ein Tempelbezirk, der Podiumstempel war wahrscheinlich Isis-Noreia geweiht. In der Spätantike zogen sich die Bewohner von Flavia Solva auf den Berg zurück, ihr Gräberfeld mit über 470 Bestattungen ist das größte bekannte dieser Zeit im Südostalpenraum. Slawische Siedler nannten den Ort Lipnizza, daraus wurde Leibnitz.

Über den Grundmauern des römischen Tempels steht seit 1730 ein Haus, das zuerst als Schule diente. 1951 bis 1955 wurden Tempelmauern und Apsis freigelegt, 1987 eröffnete hier das Tempelmuseum Frauenberg. Seit 2015 ist die Stadtgemeinde Leibnitz Trägerin. Das Museum hat von April bis Oktober geöffnet, der Museumspark ist ganzjährig frei zugänglich. Mehr dazu unter Museen in Leibnitz.

Gleich daneben steht die Wallfahrtskirche Mariae Himmelfahrt. Urkundlich erwähnt ist sie 1170 als „ecclesia sanctae Mariae in monte“. 1520 ließ Erhard von Polheim eine spätgotische Kirche bauen, die 1604 abbrannte und 1609 neu geweiht wurde. Ihre heutige Form bekam sie 1645/46 durch den Leibnitzer Baumeister Bartholomäus Montianus, den Turm 1687, die Wölbung ab 1760. Die Fresken malten Vater und Sohn Sattler von 1768 bis 1786.

Kapellen auf dem Berg

Der Marienweg der Kapellenwege Leibnitz-Wagna verbindet auf dem Seggauberg mehrere Kapellen. Die Schlosskapelle wurde 1371 geweiht und war von 1927 bis 1993 Pfarrkirche. Die Michaelskapelle in der Brenner-Bastei entstand 2003 nach Plänen von Ernst Giselbrecht, mit Werken von Alfred Wickenburg, Wolfgang Hollegha und Gerald Brettschuh. Die Waldkapelle Maria Linden, eine Rotunde von 1841, erinnert an die Zerstörung von Leibnitz 1532 und heißt deshalb auch Türkenkapelle. Die Hubertuskapelle bauten Jäger und Gemeindebürger 2004 ehrenamtlich.

Sulmsee und Silbersee

Am Fuß des Berges liegen zwei künstliche Badeseen, beide vollständig in der Katastralgemeinde: der Sulmsee mit rund 10,5 Hektar und daneben der Silbersee mit rund 6,3 Hektar. Sie gehören zum Campingplatz Camp Sulmsee, Tagesgäste kommen in der Saison täglich von 9 bis 18 Uhr an den See, der Tageseintritt kostet 15 Euro und ist auf 100 Personen am Tag begrenzt. Mehr Bademöglichkeiten stehen unter Freibäder und Badeseen.

Wein, Wirtshäuser und ein geschlossener Keller

Auf 26 Hektar wächst in Seggauberg Wein. Ihren Sitz in der Katastralgemeinde haben unter anderem das Weingut Kodolitsch, das Weingut Assigal, die Sektmanufaktur Harkamp, das Weingut Bernhard in der Rettenbachstraße und der Weinbau Menhart mit seiner Buschenschank direkt neben der Wallfahrtskirche. Eine Übersicht steht unter Weingüter und Buschenschänke in Leibnitz.

Der denkmalgeschützte Schlosskeller an der Seggaubergstraße hat dagegen zu: Die Familie Gady hat den Restaurantbetrieb mit 19. Oktober 2026 eingestellt und will den Standort längerfristig weiterentwickeln.

Einwohner seit 1770

Das Historische Ortslexikon der Akademie der Wissenschaften verzeichnet Seggauberg 1770 mit 67 Häusern und 436 Einwohnern. Bis 1951 schwankte die Zahl zwischen rund 320 und 450, danach stieg sie auf 578 im Jahr 2001. Anfang 2026 waren es laut Statistik Austria 547. Die Häuser haben sich seit 1770 mehr als verdreifacht, auf 218 im Jahr 2011.

Häufige Fragen

Liegen Schloss Seggau und der Frauenberg in Seggauberg?

Ja. Schloss Seggau, Schloss Polheim, der Frauenberg mit Tempelmuseum und Wallfahrtskirche sowie Sulmsee und Silbersee liegen alle in der Katastralgemeinde Seggauberg.

Wann läutet die Seggauer Liesl?

Jeden Sonn- und Feiertag um 12 Uhr. Die Glocke von 1688 wird von Hand geläutet.

Hat der Schlosskeller in Seggau noch offen?

Nein. Der Restaurantbetrieb wurde mit 19. Oktober 2026 eingestellt. Die Eigentümerfamilie Gady will den Standort weiterentwickeln, Pläne sind noch nicht bekannt.

Stand: 22. Oktober 2026 · Schloss nach seggau.com und Heinz Dopsch, Leibnitz-Seggau (2003); Weinkeller nach seggau.com; Frauenberg, Museum und Kirche nach dem Tempelmuseum Frauenberg; Kapellen nach den Kapellenwegen der Diözese; Seen nach dem Gewässernetz des Landes Steiermark und Camp Sulmsee; Schlosskeller nach schlosskellersuedsteiermark.at; Denkmäler nach der Denkmalliste des Bundesdenkmalamts; Gemeinde 2014 nach den Gemeindedaten des Landes Steiermark; Flächennutzung nach der Regionalinformation des Bundesamts für Eich- und Vermessungswesen (Stand 31.12.2025); Einwohnerentwicklung nach dem Historischen Ortslexikon Steiermark und Statistik Austria. Grenzen und Lage nach OpenStreetMap.