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Katastralgemeinde

Kaindorf an der Sulm

Kaindorf ist nach dem Stadtkern der größte Ortsteil von Leibnitz: 2.634 Menschen lebten Anfang 2026 in der Ortschaft, auf einer Katastralgemeinde von nur 2,09 Quadratkilometern nördlich der Innenstadt. Bis Ende 2014 war Kaindorf eine eigene Marktgemeinde, die sich in einer Bürgerbefragung mit drei Stimmen Mehrheit für die Fusion mit Leibnitz aussprach. Heute stehen hier die HTL mit rund 960 Schülern und eine Gießerei in der alten Baumwollspinnerei.

KaindorfAngabe
KatastralgemeindeKaindorf an der Sulm, Nummer 66128
Fläche2,09 km²
Einwohner der Ortschaft2.634 am 1. 1. 2026
Nutzung32 % Gärten, 26 % Äcker und Wiesen, 9 % Wald, 812 Gebäude
Gemeindeseit 2015 Leibnitz, davor Marktgemeinde Kaindorf an der Sulm mit Grottenhofen und Kogelberg
Nachbarn in LeibnitzLeibnitz und Grottenhofen
Denkmälersieben Einträge in der Denkmalliste des Bundesdenkmalamts
Postleitzahl8430
Die Katastralgemeinde Kaindorf an der Sulm (grün) nördlich des Leibnitzer Stadtkerns. Kartendaten © OpenStreetMap-Mitwirkende.

Die Marktgemeinde, die knapp Ja sagte

Bis Ende 2014 war Kaindorf an der Sulm eine eigene Marktgemeinde. Sie umfasste die Katastralgemeinden Kaindorf, Grottenhofen und Kogelberg, zusammen 6,6 Quadratkilometer, und zählte Anfang 2014 2.510 Einwohner. Zum Markt erhoben wurde Kaindorf im Jahr 2000. Als die Steiermark ihre Gemeinden neu ordnete, fragte Kaindorf am 22. September 2013 seine Bürger: 391 stimmten für die Zusammenlegung mit Leibnitz, 388 dagegen, bei einer Beteiligung von knapp 36 Prozent. Bürgermeister Kurt Stessel sprach von einem „extrem knappen Ergebnis“. Seit 1. Jänner 2015 ist Kaindorf ein Teil der Stadtgemeinde Leibnitz.

Gewachsen ist der Ort vor allem im 20. Jahrhundert. Das Historische Ortslexikon der Akademie der Wissenschaften zählt 1770 33 Häuser mit 198 Einwohnern, 1910 waren es schon 1.076 Menschen, 1951 1.464 und 2011 2.227. Seither sind noch einmal rund 400 dazugekommen. Entsprechend dicht ist die Katastralgemeinde bebaut: Knapp ein Drittel der Fläche sind Gärten, 812 Gebäude zählt der Kataster, mehr als in jeder anderen Leibnitzer Katastralgemeinde außer dem Stadtkern.

Von der Spinnerei zur Gießerei

Unter den sieben Denkmälern des Ortes ist auch ein Fabrikgebäude. In der Frauengasse ließ die Baumwollspinnerei Weiß 1894/95 eine Spinnfabrik bauen, in der zur Zeit der Monarchie und der Ersten Republik mehrere Hundert Menschen arbeiteten, überwiegend Frauen. In der NS-Zeit wurde die Spinnerei arisiert und erst nach langen Verhandlungen zurückgegeben. 1958 ging sie in Konkurs, einige Beschäftigte zogen in die Textilwerke nach Vorarlberg.

1962 kaufte Karl Fink den Gebäudekomplex aus der Konkursmasse und verlegte den Großteil seines Betriebs nach Kaindorf. Fink hatte 1945 in Leibnitz als Sandgießerei begonnen und zunächst vor allem Reinen, Pfannen und Schnellsieder gegossen, später Industrieteile. 1982 stieg das Unternehmen in die Autoindustrie ein. Die Karl Fink GmbH in der Frauengasse 10 beschäftigt heute 180 Menschen. Die alte Spinnerei steht unter Denkmalschutz.

Die Brücke der Sulmtalbahn

Am 13. Oktober 1907 nahm die Sulmtalbahn von Leibnitz nach Pölfing-Brunn den Betrieb auf, im Mai 1967 wurde sie eingestellt. Ihr größtes Bauwerk war die stählerne Bogenbrücke über die Laßnitz bei Kaindorf. Die damalige Marktgemeinde ließ sie 2002 restaurieren. Heute fährt man auf ihr mit dem Fahrrad: Der Sulmtalradweg R1 führt über die alte Eisenbahnbrücke. Mehr zum Radweg steht unter Sulm und Sulmradweg.

Trotz des Namens fließt die Sulm nur an der Südwestspitze durch die Katastralgemeinde. Prägender ist die Laßnitz, die am Westrand entlang läuft und knapp außerhalb, beim Steinernen Wehr, in die Sulm mündet.

Schulen und Bahn

Die HTBLA Kaindorf in der Grazer Straße 202 begann im September 1993 mit drei Jahrgängen für EDV, untergebracht zunächst in der Hauptschule Lebring. Heute besuchen rund 960 Schülerinnen und Schüler 37 Klassen, unterrichtet werden Informatik, Automatisierung, Mechatronik und Robotik. Seit dem Schuljahr 2026/27 bietet die Schule als einziger Standort in der Steiermark eine Ausbildung in Cyber Security an. Das umgebaute Schulgebäude wurde im Oktober 2024 eröffnet.

Die Volksschule Kaindorf in der Sulmhofsiedlung bezog im September 2021 einen Neubau. Sie ist Naturparkschule und verschränkte Ganztagsschule bis 17 Uhr. Gleich neben der HTL hält die S-Bahn-Linie S1 an der Haltestelle Kaindorf an der Sulm. Die Stadtgemeinde plant dort rund 100 zusätzliche Park-and-Ride-Plätze, umgesetzt werden soll das bis 2030.

Kapellen und Feuerwehr

An der Kreuzung der Grazer Straße mit der Sulmtal-Bundesstraße steht die Marienkapelle, 1905 im Stil des Historismus nach Plänen von Baumeister Johann Robier gebaut, an einem sehr alten Kapellenplatz am Beginn des Mitterwegs. Gedenktafeln an beiden Seiten des Eingangs tragen die Namen der Gefallenen beider Weltkriege. Wegen der Lage an der viel befahrenen Kreuzung musste sie 1988 generalsaniert werden. Gegenüber der Volksschule steht die Konrad-von-Parzham-Kapelle, 2001 geweiht. Beide liegen am Franziskusweg der Kapellenwege Leibnitz-Wagna.

Die Freiwillige Feuerwehr Kaindorf an der Sulm wurde 1919 vom Schmiedemeister Vinzenz Strohmaier gegründet, damals noch als Feuerwehr Kaindorf bei Leibnitz. Das heutige Rüsthaus stammt von 1978. 2024 rückte die Wehr zu 117 Einsätzen aus.

Häufige Fragen

Gehört Kaindorf an der Sulm zu Leibnitz?

Ja, seit 1. Jänner 2015. Davor war Kaindorf an der Sulm eine eigene Marktgemeinde mit den Katastralgemeinden Kaindorf, Grottenhofen und Kogelberg.

Wie viele Einwohner hat Kaindorf an der Sulm?

In der Ortschaft Kaindorf lebten am 1. Jänner 2026 laut Statistik Austria 2.634 Menschen. Damit ist Kaindorf nach dem Stadtkern der größte Ortsteil von Leibnitz.

Wo verläuft die alte Sulmtalbahn in Kaindorf?

Ihr bekanntestes Überbleibsel ist die Stahlbogenbrücke über die Laßnitz, über die heute der Sulmtalradweg R1 führt. Die Bahn fuhr von 1907 bis 1967 von Leibnitz nach Pölfing-Brunn.

Stand: 22. Oktober 2026 · Spinnerei und Fink nach dem Museum für Geschichte des Universalmuseums Joanneum und fink-guss.at; Bürgerbefragung nach dem ORF Steiermark; Markterhebung nach dem Musikverein Kaindorf; Sulmtalbahn nach der Gemeinde Heimschuh und dem Tourenportal Südsteiermark; HTL nach dem Newsroom der Stadtgemeinde und htl-kaindorf.at; Haltestelle nach dem Newsroom der Stadtgemeinde; Kapellen nach den Kapellenwegen der Diözese; Feuerwehr nach der Chronik der FF Kaindorf; Gemeinde 2014 nach den Gemeindedaten des Landes Steiermark; Flächennutzung nach der Regionalinformation des Bundesamts für Eich- und Vermessungswesen (Stand 31.12.2025); Einwohnerentwicklung nach dem Historischen Ortslexikon Steiermark und Statistik Austria. Grenzen und Lage nach OpenStreetMap.